Meine erste Buchlesung

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Meine erste Buchlesung

Zur Feier des Chinesischen Neujahrsfestes war ich, zusammen mit meinem Bruder Taema Jun, im Shaolin Tempel Europe, wurde im Vorfeld vom Abt Shi Heng Zong „gebeten“ aus dem Buch „Shaolin Rainer“ zu lesen.

Mir war sein Wunsch aus meinem Buch zu lesen bekannt. Allerdings haderte ich mit mir im Vorfeld, ob ich überhaupt am Chinesischen Neujahrsfest teilnehmen solle. Die Vorstellung, über mein Leben zu sprechen, persönliche Dinge öffentlich zu machen, war mir sehr unangenehm.

Der Abt rief mehrfach an, fragte wann wir kommen, ob wir (auch mein Bruder) zum Chinesischen Neujahrsfest etwas beitragen, er ließ sich auch von meinen mehrfachen Absagen nicht beirren.

Seit über 20 Jahren bin ich eng mit dem Abt des Shaolin Tempel Europe Shi Heng Zong befreundet, deshalb fühlte ich mich nach meinen Absagen nicht wohl. Ich konnte nicht aufhören an ihn und unsere gemeinsame Zeit zu denken. Mein Tempelbruder Taema (er ist für 3 Monate aus Korea zu Besuch) fühlte meine innere Zerrissenheit, deshalb rief er den Abt nochmals an. Vorher hatten wir vereinbart, dass, wenn unser Zimmer noch nicht weiter vergeben wurde, wir fahren werden, und das Zimmer war noch immer für uns reserviert. 

Kurz und gut, wir sind gefahren, auf der Fahrt war ich sehr nachdenklich. Wir kamen spät im Tempel an, bezogen unser Zimmer.

Am Neujahrstag saßen wir im Büro des Abtes, die Planungen für die Feierlichkeiten waren abgeschlossen. Taema solle ein Dharma-Gespräch halten (und für sein Dharma-Seminar am 21. 2. bis 23. 2. werben, siehe unten) und ich solle doch aus meinem Buch lesen.

Das unangenehme Gefühl breitete sich weiter in mir aus.

In diesem Kontext muss ich erwähnen, dass ich hinsichtlich meines Buches von Anfang an sehr gemischte Gefühle hatte. Sicherlich bin ich stolz auf die Tatsache, vor über 30 Jahren der erste Ausländer im Shaolin Tempel China gewesen zu sein, vom Abt den Auftrag zur Eröffnung des Shaolin bekommen zu haben, den Tempel auch eröffnet zu haben (den es bis heute gibt), weitere Tempel in ganz Europa gegründet zu haben. Allerdings gab es auch sehr schwere Zeiten im Laufe meiner Geschichte mit Shaolin, sehr schmerzvolle Ereignisse, an die ich mich auch nicht mehr erinnern möchte.

Gerade weil ich mich nicht erinnern möchte wollte ich dieses Buch „eigentlich“ nicht machen. Über viele Jahre fragte mich der Autor Karl Kronmüller, ob er nicht dieses Buch schreiben solle. Immer lehnte ich ab, wollte „mit Shaolin nicht mehr viel zu tun haben. Ich hatte alle Kontakte zum Tempel, zu den Mönchen, abgebrochen. Nur mit meinem Meister Shi Yan Zi, dem Gründer des Shaolin Tempels England, stand ich immer in Kontakt. Mit Taema, meinem Bruder, hatte ich intensive Gespräche, fast täglich, nach Korea. Sogar von meinem Freund Shi Heng Zong hatte ich mich fast zurückgezogen.

Immer wenn mich Karl wieder fragte, ob er nicht „das Buch“ in Angriff nehmen könne, lehnte ich ab, sagte, dass das Thema doch sicher niemanden interessiere, dass ich nicht an diese Zeiten erinnert werden möchte.

Eines Tages sagte ich dann doch „ja“ als Karl schon wieder fragte, in der Hoffnung, dass das Buch sowieso niemals fertig werden würde. 6 Monate später lag es vor mir fertig auf dem Tisch.

Da hatte ich mich wohl geirrt.

Nun liegt mein Buch im Shaolin Tempel Europe im Büro des Abtes, er „bestand“ auf einer Lesung. Und ich wollte ihn nicht enttäuschen, zu der Feier des Chinesischen Neujahrsfestes beitragen.

Die Feierlichkeiten waren wundervoll, der Abt hat eine traumhafte Atmosphäre geschaffen, die Menschen lieben den Tempel, die Zeremonie war unterhaltsam und doch würdig, so wie er, er ist ein großartiger Mensch. 

Es kam wie es kommen musste, es war an der Zeit für meine erste Lesung. Der Abt stellte mich vor, sprach in den höchsten Tönen von mir, erwähnte, dass es diesen Tempel hier ohne mich nicht geben würde. Da war ich doch sehr gerührt (und hatte sehr feuchte Augen).

Ich sprach zuerst frei, in Deutsch und Englisch, stellte mich vor.

Dann fing ich an zu lesen, zuerst war noch alles gut. Nach einer Weile (ich las den Anfang des Buchs, wie ich in China meinen Meister kennen lernte), wurde ich sehr gerührt, ich fühlte mich in die Zeit von vor über 30 Jahren versetzt, und meine Augen wurden immer feuchter, meine Stimme versagte fast, ich dachte ich müsse die Lesung abbrechen. 

Aber ich beruhigte mich, las weiter; im Raum herrschte völlige Ruhe, die Zuhörer konnten meine Ergriffenheit spüren. Mein Bruder und der Abt hatten (so wie alle Menschen im Raum) meine Gefühlslage bemerkt, mein Bruder sagte mir später, er wäre am überlegen gewesen mir beizustehen, ließ mich aber gewähren, als er merkte wie ich mich zwischenzeitlich gefaßt hatte.

Auch sagten mir die Beiden, dass ich es gut gemacht hätte, authentisch war und unbedingt weitere Lesungen halten solle.

 

In Büchern liegt die Seele aller gewesenen Zeit

Thomas Carlyle – Schottischer Essayist – 1795 bis 1881

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