Samstag, Mai 21, 2022

Der Notfall

Wie in jeder Religion (oder Weltanschauung) gibt es auch im Buddhismus Orte, an die die Menschen pilgern, um sich mit der besonderen Spiritualität der Gegend zu verbinden, um Wünsche zu äußern und Erfüllung zu erbitten, oder einfach nur um in Frieden und Ruhe nach dem eigenen Ich zu suchen.

Auf einer dieser Pilgerreisen durchquerte ein frommer Mann einst eine unwirtliche Wüste, die Luft war trocken, der Weg staubig, das Ziel noch weit. Als ein Sturm aufkam verlor er jede Orientierung, irrte umher, hatte seinen Weg verloren. Immer weiter kam er ab von seinem Pfad, immer tiefer hinein in die Sandwüste führte sein Weg. Auch hatte er keine Vorräte mehr, weit und breit war kein Haus und kein Mensch und kein Tier zu sehen.

Als er nochmals durch seine Taschen kramte fiel ihm ein kleiner, grüner Apfel auf, den er vor einigen Tagen im Vorbeigehen von einem Baum nahm, er wusste gar nicht mehr warum er den unreifen Apfel überhaupt eingesteckt hatte. Nun freut er sich natürlich über den unverhofften Fund in seinen Taschen, er steckte den Apfel allerdings wieder ein, da dieser noch völlig unreif war.

Der Pilger suchte weiter nach seinem ursprünglichen Weg, doch er hatte sich hoffnungslos verirrt. Sein Hunger wurde immer größer, und der Durst brachte ihn fast um den Verstand. Einige Male dachte eher daran einfach aufzugeben, sich hinzusetzen und einzuschlafen, in der Hoffnung nie wieder aufzuwachen und so der Mühsal des Schicksals zu entkommen. Aber immer wieder dachte er an den kleinen, grünen Apfel, der in seiner Tasche nur darauf wartete verzehrt zu werden, häufig nahm er ihn heraus, betrachtete ihn fast liebevoll, den auf irgendeine Art symbolisierte dieser Apfel Hoffnung für ihn, so dass er ihn wieder in die Tasche steckte und bei sich dachte, dass er diesen Apfel nur im äußersten Notfall essen würde. Und jetzt gerade war es noch nicht so schlimm, dass dieser äußersten Notfall eingetreten wäre, weshalb er den Apfel dann doch immer wieder zurück in seine Tasche steckte.

So wurde der Apfel für den Pilger zu einem starken Synonym für Hoffnung, denn er hatte ja etwas für den Notfall in der Tasche, er hatte etwas auf dass er sich verlassen konnte, er war nicht ohne Vorräte.

Nach längerem umherirren erreichte der entkräftete Mann schließlich wieder seinen ursprünglichen Weg, hin zum ursprünglichen Ort, auf dem Weg zu seinem Ziel. Er hatte sich selbst gerettet, sah wieder Menschen, fand Wasser und Nahrungsmittel. Als er unter einer schattigen Palme sich endlich ausruhen konnte zog den Apfel aus seiner Tasche, und biss genüsslich in den immer noch sauren Apfel. Der Apfel schmeckte ihm gar köstlich, es war der beste Apfel, den er in seinem Leben gegessen hatte.

Der Weg ist das Ziel!

 

So dich voll Unrast die Gedanken hetzen, du brünstig nach Genüssen wirfst die Blicke
Muß dir der Durst nur immer größer werden, der Durst schafft deine Fesseln: starke Stricke

Buddha – Ehrenname des Siddharta Gautama – 560 bis 480 vor dem Jahr Null

Man kann unmöglich in der Welt leben, ohne von Zeit zu Zeit Komödie zu spielen. Es nur im Notfall zu tun, unterscheidet den anständigen vom unanständigen Menschen

Nicolas Chamfort – Französischer Schriftsteller – 1741 bis 1794

Rohe Kriegsleute gehen wenigstens nicht aus ihrem Charakter, und weil doch meist hinter der Stärke eine Gutmütigkeit verborgen liegt, so ist im Notfall auch mit ihnen auszukommen

Johann Wolfgang von Goethe – Deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker – 1749 bis 1832

Verleihe nur das, worauf du notfalls verzichten kannst

George Herbert – Englischer Dichter und Geistlicher – 1593 bis 1633

Große Notfälle und Krisen zeigen uns, um wie viel größer unsere vitalen Ressourcen sind als wir selbst annahmen

William James – US-amerikanischer Psychologe und Philosoph – 1842 bis 1910

Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmäßiges Weib, er besitzt sie, und wenn er sie auch nicht mit absonderlicher Zärtlichkeit behandelt, so weiß er sie doch im Notfall wie ein Mann zu verteidigen, und wehe dem rotgeröckten Burschen, der sich in ihr heiliges Schlafgemach drängt – sei es als Galant oder als Scherge. Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut. Er glüht für sie, er flammt, er wirft sich zu ihren Füßen mit den überspanntesten Beteuerungen, er schlägt sich für sie auf Tod und Leben, er begeht für sie tausenderlei Torheiten. Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine alte Großmutter

Heinrich Heine – Deutscher Dichter und Romancier, ein Hauptvertreter des Jungen Deutschland, Begründer des modernen Feuilletons – 1797 bis 1856

 

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