Mittwoch, Juli 24, 2024
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Zeit

Die Zeit im Kloster verging, der Alltag wurde eine Abfolge von Gewohnheiten. Mein Meister mahnte mich, dass es meine Gewohnheiten seien, die meine Aussenwirkung definieren würden, die selbstverständlich auch einen Einblick in meine „wahre“ Person gewähren würden.

Aufstehen, Anziehen, Spiritualität, Waschen, Essen, Training, Essen, Waschen, Spiritualität, Ausziehen, Schlafen. Aufstehen, Anziehen, Spiritualität, Waschen, Essen, Tagesausflug, Essen, zurück ins Kloster, Ausziehen, Schlafen, Aufstehen, Anziehen, Spiritualität, Waschen, Essen, Training, Essen, Waschen, Spiritualität, Ausziehen, Schlafen.

Die Gewohnheiten waren einfach, es war ein sehr meditatives Leben, ohne wirkliche Ziele, der Weg war das Ziel! Heute ist das völlig anders, zu viele Gewohnheiten verderben den Charakter!

Aus Wochen wurden Monate, immer an den freien Tagen waren wir in der Provinzhauptstadt der Provinz Henan, Zhengzhou, die nach der Meinung der meisten Chinesen als Ursprungsregion der chinesischen Kultur und Nation gilt; so kommt Laotse etwa von dort. Dort haben wir meist köstlich gegessen, ich konnte ausserdem europäischen Proviant ergattern (damals ziemlich anstrengend), erreichte die Eltern endlich telefonisch (in einer Zeit ohne Handys).

Wir gewöhnten uns ambitioniertere Ziele für die freien Tage an, nicht mehr nur die Großstadt, sondern Natur und Tempel, Geschichte und Spiritualität. Etwa waren wir in Kaifeng, eine der alten Hauptstädte in der Geschichte Chinas, wir haben andere Tempel besucht, verschiedene Mönche und Freunde getroffen.

Mir wurde die Zeit nicht gewahr, schon viel zu lange war ich hier, über ein halbes Jahr, es wurde kalt in den Bergen. Ohne Heizung hatte ich noch nie einen einzigen Tag verbracht, welche Konsequenzen daraus folgen kann man sich nicht vorstellen, welche Spuren da zu folgen waren, welche Konzessionen es verlangt, so ein Leben, in Europa mögen wir es eben mollig warm. Die sanitären Verhältnisse waren damit sehr eingeschränkt, wer zieht schon gerne in der Kälte alle Kleidung aus. Hauptsächlich wuschen wir uns am Bach, die Toiletten waren voller Touristen, dreckig und ohne Intimsphäre, da war die Natur besser.

Ich war einem Mythos hierher nach China gefolgt, die Einzelheiten waren dabei nicht wichtig, aber mit der Zeit fing ich an die GEWOHNHEITEN aus der Wohlstandsgesellschaft zu vermissen. Meine Wünsche fingen wieder an mich zu belästigen, das Ego verlangte nach Veränderungen der Gewohnheiten, nach Abwechslung, Party und Zerstreuung.

Ich überredete meinen Meister Yan Zi in der Kleinstadt Deng Feng ein kleines Hotelzimmer zu mieten. Endlich eine eigene Dusche, auch wenn es selten warmes Wasser gab, im Bottich mit heissem Teewasser gemischt aber doch machbar. Hier gab es auch bessere Restaurants, wir hatten ja immer nur im Tempel oder in den Buden drumherum gegessen. Leider habe ich aus dieser Zeit nur noch wenige Fotos, zu viele Umzüge, zu viel Ballast, weil der Weg ja das Ziel ist!    

Waren die Früchte zu jener Zeit größer?

Buddha – Ehrenname des Siddharta Gautama – 560 bis 480 vor dem Jahr Null

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;
pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;
töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit;
abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;
klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit;
herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;
suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit;
behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;
zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit;
schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit;
Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit

Bibel – 

Wir müssen überzeugt sein, daß das Wahre die Natur hat, durchzudringen, wenn seine Zeit gekommen, und daß es nur erscheint, wenn diese gekommen, und deswegen nie zu früh erscheint noch ein unreifes Publikum findet

Georg Wilhelm Friedrich Hegel – Deutscher Philosoph – 1770 bis 1831

Die Zeit ist ein Fluß, ein ungestümer Strom, der alles fortreißt. Jegliches Ding, nachdem es kaum zum Vorschein gekommen, ist auch schon wieder fortgerissen, ein anderes wird herbeigetragen, aber auch das wird bald verschwinden

Marc Aurel – Römischer Kaiser und Philosoph – 121 bis 180

Jede Zeit glaubt sich auf der Höhe des Berges, den menschliche Kultur langsam ersteigt, und jede folgende seht sich zurück nach dem heimlichen Tal, das jene für das Ende ihres Weges gehalten hatte

August Pauly – Deutscher Naturwissenschaftler und Philosoph – 1850 bis 1914

Wir halten uns niemals an die Gegenwart, sondern nehmen ständig die Zukunft voraus und rufen die Vergangenheit zurück. Wir sind so unklug, in Zeiten umherzuirren, die uns nichts angehen, um nicht an die einzige Zeit zu denken, die uns wirklich gehört. Wir sind so eitel, uns an die Zeiten zu klammern, die für unser Leben noch nichts oder nichts mehr bedeuten, um der einzigen zu entfliehen, die wirklich da ist.

Blaise Pascal – Französischer Religionsphilosoph und Naturwissenschaftler – 1623 bis 1662

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