Die Relationen sehen

Die Relationen sehen

Wenn ich die Leute gerade so frage, wie es ihnen geht, kommt immer die Standardantwort „gut“.

Wenn man dann tiefer ins Gespräch kommt, dann platzen die Probleme aus den Menschen förmlich heraus.

Alle möglichen Ängste treiben uns gerade um, Sorgen und Nöte liegen wie Blei auf den Gemütern.

Früher, da hatte mein Umfeld eine Art von „Gottvertrauen„, man glaubte, dass alles sich zum Guten wenden würde. Das ist verschwunden, die Stimmung ist miserabel, die Aussichten düster.

Im Altersheim bei mir um die Ecke habe ich früher eine sehr nette Dame betreut, wir hatten uns bei einem Spaziergang im Wald kennen gelernt, ich fing an mich um sie zu kümmern, wir wurden Freunde. Bei unseren langen und schönen Gesprächen sagte sie mir einmal, dass ihre Mutter ihr folgenden Rat fürs Leben gegeben hatte: „Kind, du musst nach unten schauen, nicht nach oben!“

Dieser Satz hat mich sehr beschäftigt, er wurde ein Motto auch für mein Leben.

Wenn wir unser Leben in Relation zu anderen Menschen setzen, dann dürfen wir nicht zu viel Wollen und Wünschen. Nach Buddha liegt die Ursache unserer Leiden im Streben nach unerfüllbaren Dingen, in der Gier, im Hass und in der Verblendung.

Mein Vater hatte in seinem Büro hinter sich einen Holzschnitt hängen, den ich immer als depressiv und düster empfand. Das Bild zeigte eine Familie auf der Flucht, leidende Gesichter, abgezehrte Körper, aber aneinander geklammert, zusammen ging diese Familie durch die Härten des Lebens. Als ich ihn einmal fragte, warum er denn so ein „unglückliches“ Bild so zentral im Raum hängen habe, antwortete er mir, dass immer, wenn er der Meinung sei, dass sein Leben hart seie, dass das Schicksal es nicht „gut“ mit ihm meine, er immer dann über seine Schulter schauen würde, um erneut wieder festzustellen, wie „gut“ es ihm doch ginge.

Wer der Lehre Buddhas folgt, der teilt nicht mehr ein in „gut“ oder „schlecht“, der nimmt alles gelassen so, wie es kommt, er vertraut auf den eigenen Weg, der strebt nach „Erleuchtung„, der legt seine Anhaftungen ab, und unterläßt das Wünschen und das Wollen.

Es gibt ja auch kein „schlechtes“ Wetter, nur die falsche Kleidung.

Um glücklich zu leben müssen wir jedwede Wertung unterlassen, alles annehmen, eben so wie das Wetter. Es kommt, wie es kommt!

Suchen Sie sich (in Gedanken) auch ein solches Bild, dass Sie dann, wenn es Ihnen nicht „so gut“ geht, in Ihrem „Inneren“ aufrufen können.

Der Weg ist das Ziel!

Können Sie die Relationen jetzt besser sehen?

 

Niemand rettet uns, außer wir selbst. Niemand kann und niemand darf das. Wir müssen selbst den Weg gehen

Buddha – Ehrenname des indischen Religionsstifters Siddhartha Gautama – 560 bis 480 vor dem Jahr Null

Ich weinte, weil ich keine Schuhe hatte, bis ich einen traf, der keine Füße hatte

Mark Haddon – Englischer Schriftsteller – geboren 1962

Wie geht’s, sagte ein Blinder zu einem Lahmen. Wie Sie sehen, antwortete der Lahme

Georg Christoph Lichtenberg – Erste deutsche Professor für Experimentalphysik – 1742 bis 1799

Freundlichkeit ist eine Sprache, die Taube hören und Blinde sehen

Mark Twain – Amerikanischer Schriftsteller – 1835 bis 1919

Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen

Kurt Marti

Die Leute empfinden eine seltsame Vorliebe für mich. Weil man in mir die Behinderung, die Einsamkeit wahrnimmt, und dann liebt man mich auf besondere Weise, auf schützende Weise

Antonio Gala

Obwohl es viele Tausend Themen für eine elegante Unterhaltung gibt, gibt es Leute, die keinem Krüppel begegnen können, ohne von Füßen zu reden

Aus China

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