Weisheiten des Chan-Buddhismus

Weisheiten des Chan-Buddhismus

Ein weiser Mönch verkündete einmal vor seinen Schülern folgendes:

Buddha umfasst alles Leid, aber alles Leid ist Buddha.

Darauf fragten ihn seine Schüler: „Meister, wie kann es sein, dass alles Leid Buddha sein soll“?

Der Meister antwortete: „Er hielt das Leid aller Lebewesen in sich“.

Eine Diskussion kam auf, ein Schüler fragte: „Meister, die Lehre Buddhas handelt vom Überwinden des Leids, wie kann dann der große Lehrer alles Leid halten“?

Der Mönch antwortete: „Buddha kam nicht als Buddha zur Welt, er wurde als indischer Prinz geboren. Als er im Palast seines Vaters aufwuchs bemerkte er die Ungerechtigkeiten des Lebens; langsam verfestigte sich in ihm eine Meinung, die später zu der Philosophie wurde, die heute als Buddhismus bekannt ist. Auf seinem langen und steinigen Weg zur „Erleuchtung“ nahm er viel Leid auf sich, um sich selbst zu verbessern, seinem Ziel näher zu kommen“.

„Erhabener Meister, als alles Leiden vom Buddha abfiel, er die „Erleuchtung“ fand, war da sein Opfer nicht von unschätzbarem Wert für die Menschheit, für seine Anhänger“?

„Ja“, sprach der Mönch, „die Leiden auf seinem Weg hat Buddha auch für uns, seine Nachfolger auf dem mittleren Weg auf sich genommen, er hat uns durch sein Beispiel einen Ausweg aus dem immer währenden Kreislauf des Leidens aufgezeigt. So umfasste Buddha alles Leid, aber alles Leid war in Buddha gesammelt“.

„Oh ehrwürdiger Vorsteher, der Lehrer aller Lehrer begründete die Philosophie, als er die „Erleuchtung“ fand. Als sein Nachfolger Bodhidharma und Hui Neng im Shaolin Tempel den Chan (Zen)-Buddhismus begründeten, wie veränderte sich die Entwicklung des Leidens“?

Der Mönch antwortete: „Das Leiden ist ein sehr persönliches Phänomen, alle Lebewesen leiden, ganz so wie der historische Buddha ebenfalls gelitten hat. Auch die Nachfolger und Patriarchen hatten ihre ganz individuellen Erlebnisse, unterschiedliche Herangehensweisen; über die Jahrhunderte hat sich aber an der ursprünglichen Philosophie wenig bis nichts geändert. Alles Leben ist Leiden, die Wahrheit über das Leiden schwebt über allen Menschen, durch die Weltanschauung Buddhas bietet sich aber ein Weg aus dem ewigen Kreislauf der Leiden“.

Für die modernen Menschen der heutigen Zeit (21. Jahrhundert) bedeutet dies, dass wir ebenfalls so lange leiden werden, wie wir die Lehre Buddhas nicht umgesetzt haben, so lange wir an Dingen anhaften, so lange wir wünschen und wollen, unsere Ziele verwirklichen möchten.

Nach der Lehre Buddhas wird alles für uns so kommen, wie es kommen soll, nichts können wir daran ändern.

Eine Weisheit des Chan-Buddhismus ist es, besser zu sitzen und zu warten, bis die Dinge sich entwickeln. Besser jedenfalls, als Aktionismus zu betreiben, alles „sofort“ und gleich haben zu wollen.

Leiden entsteht aus dem Wünschen und Wollen, denn die Nicht-Erfüllung dieser Wünsche bringt uns Leid.

 

Langeweile: Der Wunsch nach Wünschen

Leo Tolstoi – Russischer Schriftsteller – 1828 – 1910

Was du selbst nicht wünschest, tu nicht an andern

Konfuzius – Chinesischer Philosoph – 551 bis 479 vor dem Jahr Null

Ich meine fast, wenn ich mir mit der Seele etwas innig wünsche, dann erfüllt das Leben mir solche Wünsche gerne

Arthur Rubinstein – Polnisch-US-amerikanischer Pianist – 1887 bis 1982

Derjenige, der sich am wenigsten wünsch, wird am meisten haben

Apuleius – Antiker Schriftsteller und Philosoph – 125 bis 170

Fangen Sie mit einem Wunsch an, der Ihnen wirklich wichtig ist

Gabriele Oettingen – Deutsche Professorin für Psychologie – geboren 1953

Ich mache mich reich, indem ich meine Wünsche einschränke

David Thoreau – US-amerikanischer Schriftsteller und Philosoph – 1817 bis 1862)

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