Formen

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Wer gießt die Formen, die uns dann „sagen“, wie wir sein „müssen“?

Die Menschen sind sehr unterschiedlich, sie haben die verschiedensten Charaktere, abweichende Erziehung, völlig konträre Ansichten, diametral differente Ausgangssituationen.

Einen großen Anteil daran haben sicherlich die Gene, die Erbanlagen unserer Vorfahren beeinflussen einen großen Part der Formen, die aus uns diejenigen Menschen machen, zu denen wir nun geworden sind.

Haut-, Augen- und Haarfarbe sind sicherlich die prägnantesten äußerlichen Eigenschaften, mit denen unsere Eltern uns ausgestattet haben. Aber die Abstammung läßt sich auch an Details erkennen; wenn ich die Hände meiner Tochter betrachte, dann sehe ich die Gemeinsamkeiten zwischen uns, ihre ganze Erscheinung erinnert mich an die Jugendbilder meiner Mutter. Ein großer Teil der Formen der Menschen entstammt also der Verwandtschaft. Die Entwicklungsgeschichte und Traditionen unserer Familien stellt aber nur einen Bereich der Formen dar, die unsere Persönlichkeit letztendlich abbilden, die uns „sagen“, wie wir sein „müssen“.

Eine weitere Kraft, die Einfluss auf die uns bestimmenden „Formen“ nimmt, ist die Umgebung und die Menschen, die wir im Laufe unseres Lebens „kennenlernen“. Die prägenden Ereignisse, die uns begegnen, die beeinflussen uns stark. So habe ich einige Angewohnheiten an mir selbst entdeckt, die ich von meinem Umfeld übernommen habe, die mir diejenigen Personen gezeigt haben, die mir wichtig sind. Die Verhaltensmuster unserer Freunde giessen viele der Formen, die unsere finale Struktur ergeben.

Aber auch das gesellschaftliche System, in dem wir leben, das gießt einen Teil der Formen, die uns dann „sagen“, wie wir sein „müssen“, was wir zu tun haben, wie wir uns verhalten sollen. Abhängig von den Autoritäten unseres Kulturkreises werden wir sozialisiert, etwa das Rechtsempfinden begründet sich in der jeweiligen Staatsform, die über den Einzelnen „herrscht“.

Sehr wichtige „Formengeber“ sind für uns die Kulturschaffenden; die Kultur bildet die künstlerischen, geistigen und gestaltenden Leistungen einer Gesellschaft ab. Welche Filme sehen wir, Horror oder Comedy? Welche Musik hören wir, Klassik oder Rap? Welche Kleidung suchen wir uns aus? Wie wollen wir wohnen? Aus der Kultur suchen wir uns selbst das aus, was uns feinjustiert. Dem Einfluss von Kultur kann „man“ sich auch nicht entziehen, Architekten entwerfen unsere Städte, Designer die Alltagsgegenstände. Die Formen werden von den Kulturschaffenden entworfen, wir wählen nur die Dinge, die unserem Geschmack entsprechen.

Die vielleicht wichtigste Kraft, die Formen für uns gestaltet, sind Bücher, und damit die Gedanken ihrer Autoren, die uns auf ihre Weise „sagen“, wie wir sein „müssen“ oder „könnten“. Selbst wenn wir keine Bücher lesen, die Energien von manchen Werken prägen ganze Epochen. Etwa das Kapital von Marx, die BibelHomer oder Platon, haben ganz wesentlichen Anteil an der neueren Geschichte des Menschen, ihr Einfluss reicht über die Lebenszeit der Autoren weit hinaus, diese Texte bestimmen, wie wir Menschen die Umwelt sehen, wie wir denken, sogar wie wir fühlen vermitteln sie uns; sie zeichnen Formen für uns vor. Die Personen der Geistesgeschichte, die uns anregen zum wachsen, die haben die Chance, ihre Erkenntnisse zentral in der Formengebung der Evolution zu platzieren. Mich für meinen Teil hat „1984“ von George Orwell sehr geprägt.

Im Laufe der menschlichen Geschichte gab es aber auch Formengeber, die eine Philosophie begründet haben, auf einem buddhistischen Blog steht natürlich Buddha mit seiner Weltanschauung im Fokus. Sein Konzept der „ERLEUCHTUNG“ überdauerte die Jahrhunderte, obwohl seine Lehre erst lange nach seinem Ableben aufgeschrieben wurde.

Aus so mancher Philosophie entwickelte sich eine Religion, neue Formen entstanden, „sagten“ den Menschen, wie sie zu „sein“ hatten, haben sich teilweise über Jahrtausende entwickelt.

Alle diese „Formen“, egal aus welcher Provenienz, haben mit Ihnen und ihrem heutigen Leben wenig zu tun. Diese Formen sind wie Stimmen, die aus der Vergangenheit zu Ihnen rufen, aber eben vergangen sind. Das „Jetzt“ und das „Heute“ ist das was zählt. Wer diesen Teil versteht, der kann auch zum nächsten Schritt übergehen; nämlich zu der Frage: wer bin ich?

Nicht wo die Formen herkommen, die ihre Persönlichkeit ausmachen, sondern nach dem wahren Menschen hinter den Formen frage ich!

Könnten Sie sich vorstellen, einmal alle antrainierten Formen auf Wichtigkeit und Gehalt zu überprüfen?

 

Gibt es schließlich eine bessere Form mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?

– Charles Dickens – Englischer Schriftsteller – 1812 bis 1870

Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung

– Albert Einstein – Deutscher Physiker – 1879 bis 1955

Was einer an sich selber hat, ist zu seinem Lebensglücke das Wesentlichste

– Arthur Schopenhauer – Deutscher Philosoph – 1788 – 1860

Nur Persönlichkeiten bewegen die Welt, niemals Prinzipien

– Oscar Wilde – Irischer Schriftsteller – 1854 bis 1900

Was hinter uns liegt und was vor uns liegt, sind nur Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was in uns liegt. Und wenn wir das, was in uns liegt, nach außen in die Welt tragen, geschehen Wunder

– Henry Stanley Haskins – US-amerikanischer Aphoristiker – 1875 bis 1957

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