Über den Tod und das Sterben

Sterben

Über den Tod und das Sterben

Der Tod ist unser größter Lehrer, er schafft den nötigen Ausgleich, er trifft alle Menschen, die Reichen, die Armen, die Mächtigen und die Machtlosen.

Er lehrt uns die Vergänglichkeit, er zeigt uns, wie kostbar das Leben ist, wie wertvoll der Moment sein kann.

Welche Ironie, alles wird geboren um später wieder zu sterben, der Tod kommt unausweichlich auf jeden zu, auf jede Pflanze, auf jedes Tier, auf jeden Menschen.

Was passiert mit uns wenn wir sterben?

Jeder stirbt alleine, dass ist uns allen klar. Aber die Frage, was nach dem Tod passiert, die beschäftigte die Menschen schon immer. Und die Aussicht, das Leben zu verlieren, die gibt Kraft, aber sie erzeugt auch Schmerzen, denn am Ende gewinnt immer der Tod.

Doch gerade weil wir heute „leben“ sollten wir uns über die „Zeit danach“ Gedanken machen. Eines Tages werden wir sterben, im Inneren des Menschen liegt eine tiefe Angst vor diesem ganz speziellen Augenblick. Die Evolution hat unsere Vorfahren mit einem Warnsystem ausgerüstet, dass vor Gefahren schütze. Der moderne Mensch weiß wahrscheinlich viel mehr über die Interaktionen seines Körpers als etwa die Urmenschen wußten, den Tod kann er aber immer noch nicht begreifen. Gesehen hat er ihn vielleicht schon einmal, aber verstanden nicht.

Nach meinem eigenen Selbstwertgefühl kann es doch nicht sein, dass auch ich sterbe, oder? Mein Ego ist der Meinung, dass ich „unsterblich“ bin. Klar, so denken alle Menschen; ich doch nicht, die Anderen, ja, aber ich nicht.

Wir sind blind für die unaussprechliche Wahrheit, wir alle werden sterben!

Doch welche Lehre ziehen wir aus dieser Erkenntnis?

Sicherlich könnten wir sagen, was schert uns das, wir leben unser Leben ohne Rücksichtnahme. Da wir sowieso sterben werden macht es doch keinen Unterschied.

Aus meiner Sicht würde eine solche Verhaltensweise allerdings die Angst vor dem Tod in uns erst verfestigen, da dabei aus simpler Fatalität das Leben keine wirkliche Würdigung mehr erfährt. Völlig egal wie lange wir noch leben werden, nur die gelebte Achtsamkeit bringt den Augenblick erst richtig zur Geltung. Und wir leben im „Jetzt“ und „Heute“, ob es ein „Morgen“ gibt wissen wir nicht. Wenn wir uns von den Sorgen vor dem Tod befreien können, dann erst „leben“ wir.

Nach Buddha sollen wir das Leben für das schätzen, was es ist, für die Möglichkeiten, die es uns bietet.

Wenn wir den ganzen Tag über das Sterben nachdenken, bleibt dann noch genug Raum für das Leben?

Die meisten Tätigkeiten führen die Menschen nur deshalb durch, um sich von den Gedanken über den Tod zu befreien, um sich „abzulenken“. Ist vielleicht jetzt, genau jetzt, der Moment meines Todes gekommen? Wir ziehen den Kopf ein und warten auf die Dinge, die da kommen.

Wir sollten ganz anders an die Natur der Dinge herantreten: Wir müssen das Leben schätzen, weil wir es verlieren werden.

Um die Natur des Todes endlich zu erklären fand man schnelle Lösungen, unsere Vorfahren entdeckten die Religion. Das Unerklärliche musste irgendwie fassbar werden, das Individuum suchte nach Trost und Beistand.

Buddha sagte seinen Schülern, dass das Leben nur ein Traum sei, dass hinter der erlebten Realität ganz andere Sphären warten. Das Kontinuum der Wandlungen bringt Veränderung, aber keinen Stillstand, Ängste sind dabei nur die Bilder, die uns Menschen leiden lassen.

Diese Ängste kommen aus unserem Inneren, wir selbst entwerfen die furchtbarsten Szenarien „wie es danach sein könnte“, aber wir wissen nichts.

Was wäre, wenn wir dem Lehrer aller Lehrer vertrauen würden, und unser Ego nun zum Schweigen bringen?

Die vier edlen Wahrheiten und der achtfache Pfad Buddhas sind die Essenz des Buddhismus. Aber können wir damit die Dualität unseres Egos beenden?

JA

Denn die Realität ist nicht real, sie ist nur „gefühlt“ echt. Zwei Menschen betrachten denselben Sachverhalt, sie stehen dabei sogar nebeneinander, trotzdem ziehen sie ganz unterschiedliche Schlüsse aus dem Geschehen; wie kann das sein?

Weil es eine Realität nicht gibt! Das Ego täuscht die Menschen, gaukelt ihnen Dinge vor, läßt Illusionen zu Realitäten werden.

Für Buddhisten ist der Tod vergleichbar mit einem Einkauf im Supermarkt. Ein Ereignis passiert, so wie Millionen und Milliarden anderer Ereignisse an diesem Tag vorkommen.

Nur einen Unterschied gibt es dabei: das eigene Ego hat fürchterliche Angst vor diesem kurzen, ganz besonderen Moment, da nun die Anhaftungen an liebgewordenen Menschen und Dingen zu einem Ende kommt.

Ohne das eigene Ego wären wir Menschen von wahrhaft erleuchtetem Geist, alle Verbindungen zu unserem Eigensinn wären getrennt, die wahre Natur eines Jeden käme zum Vorschein.

 

Sinn des Lebens: etwas, das keiner genau weiß. Jedenfalls hat es wenig Sinn, der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein

– Peter Ustinov – Britischer Schauspieler – 1921 bis 2004

Alle Lebewesen außer den Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu genießen

– Samuel Butler – Britischer Schriftsteller – 1835 bis 1902

Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen

– Mahatma Gandhi – Indischer Rechtsanwalt – 1869 bis 1948

Derjenige, der etwas zerbricht, um herauszufinden, was es ist, hat den Pfad der Weisheit verlassen

– J.R.R. Tolkien – Britischer Schriftsteller – 1892 bis 1973

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