Sonntag, Juli 21, 2024
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Ablenkungen

Der eine liebt seine Süßigkeiten, der andere Facebook oder Instagram. Manche sind süchtig nach dem Fernsehen. Am Morgen schnell noch ein Schokocroissant, in der Pause einen fettigen Burger oder gleich die ganze Tafel Schokolade. Das ganze Leben besteht aus Ablenkung, an jeder Ecke versucht jemand, dir etwas zu verkaufen – Smartphone oder Tablet, Werbung ist überall. Ein achtsames, bewusstes und zielgerichtetes Leben besteht eben nicht darin, nur das Richtige zu tun, sondern gerade darin, das Falsche zu lassen.

Schon Wilhelm Busch sagte: „Das Gute steht fest, ich steh‘ jetzt das Böse, dass man lässt.“ Der Schokokuchen geht eben direkt auf die Hüfte. Ein guter Salat wäre viel besser, wir wissen das, aber warum tun wir es nicht und vor allen Dingen, wie komme ich dazu, endlich die Entscheidung zu treffen, all die Dinge zu lassen, die mir den ganzen Tag so passieren? Ablenkungen ziehen unseren Geist irgendwohin. Unsere Gefühle werden folgen. Ablenkungen haben auch meist Ursachen, etwas, was uns triggert. Entweder kommen diese Ablenkungen von außen, aber auch aus dem Inneren.

Klar, wenn ich Hunger habe, möchte ich etwas essen. Wenn ich traurig bin, möchte ich einen Freund haben. Die Ablenkungen von außen sind viel einfacher. An meiner Ecke ist ein leckerer Döner. Jedes Mal, wenn ich daran vorbeilaufe, rieche ich dieses tolle Produkt. Gehe ich hinein und kaufe mir etwas ein oder kämpfe ich mit mir und laufe weiter? Oder die Ablenkungen, die vom Handy kommen: Nachrichten, Anrufe klingeln, piepen, pfeifen. Egal, woher – in der U-Bahn, im Auto, im Flugzeug – Ablenkungen gibt es überall.

Die Frage ist, ob ich mich ablenken lasse. Hier gilt es jedoch festzustellen, dass die moderne Welt furchtbar kompliziert ist, und ja, wer sich ablenken lassen will, der wird ganz schnell abgelenkt. Musst du, lieber Hörer, wirklich dringend deine E-Mails checken? Oder noch schnell die Nachrichten anschauen? Wäre es nicht möglich, das heute Abend zu tun, alles auf einmal, etwa in 10 Minuten ein Zeitfenster zu schaffen, wo diese Dinge erledigt werden, einfach nicht mehr abgelenkt zu sein, erhöht die Lebensqualität ungemein, endlich wieder hier zu sein, über meine Aufmerksamkeit, über mein Bewusstsein, über das Hier und das Jetzt.

Aber warum lassen wir uns so gerne ablenken? Ich kann es dir sagen: Wir wollen uns ablenken, damit wir nicht über unsere Leiden nachdenken müssen, nicht über unsere körperlichen Schmerzen und schon gar nicht über unser beschwerliches Leben. Und das Leben ist beschwerlich, daran ist nichts zu deuten; Leiden und Freuden stehen sich gegenüber. Und wenn wir die Auswahl haben, entscheiden wir uns natürlich für die Freude. Aber können wir dem Handy überhaupt die Schuld geben für die Ablenkung, oder sind wir nicht selbst in der Verantwortung?

Es ist eben nicht das Handy, nicht das Fernsehen, schon gar nicht der Alkohol oder die Zigaretten. Es ist auch nicht das neueste Videospiel. Die Ursache für die Ablenkung sind wir selbst, wir wollen abgelenkt werden. Und was können wir, lieber Hörer, jetzt mit dieser Erkenntnis anfangen? Wir wissen, dass wir uns selbst ablenken wollen und deswegen das tun. Wenn wir einem Schmerz entfliehen wollen, müssen wir diesen Schmerz identifizieren, uns klar darüber werden, was die Ursache ist, damit wir abgelenkt werden wollen. Das heißt, wir müssen uns auf die eigentlichen Ursachen konzentrieren und dann die Möglichkeiten zur Ablenkung einschränken. Uns mit den Ablenkungen zu beschäftigen ist alles, ein Beschäftigen mit unserem Leiden, mit den Dingen, die uns Schmerzen bereiten. Aber woher kommen diese Schmerzen? Woher kommen die Probleme? Warum sind wir ständig unruhig und unzufrieden? Wir leben sicher und wohl in unseren Häusern, und trotzdem haben wir ständig Ängste, Nöte und Befürchtungen. Woran könnte das liegen?

Und sind diese Ängste jemals wirklich eingetreten? Oder waren die meisten nur in unseren Gedanken? Das Leben muss keine Flucht vor uns selbst sein, genau wie Buddha schon bemerkte – man muss sich seinen Ängsten stellen. Geburt, Alter, Krankheit und Tod sind das Schicksal eines Menschen. Wir wissen das und haben fürchterliche Angst davor, aber wenn wir die Dinge akzeptieren und uns nicht einfach nur ablenken mit Alkohol, Drogen, Sex oder Glücksspiel, bringt das wirklich etwas? Nein, die Sache bleibt dann sicher gleich.

Wir müssen uns damit abfinden, dass wir nicht immer erfolgreich sein können, auch nicht immer glücklich sein werden und auch nicht immer zufrieden sein können, denn wo es keine Berge gibt, da gibt es auch keine Täler. Die Langeweile, die die meisten Menschen in ihrer heutigen Existenz empfinden, bringt sie zum Leiden. Körperliche Schmerzen folgen, die Gesundheit leidet, alles geht langsam aber sicher einen ungesunden Weg.

Ich stelle jetzt einmal die These auf, dass 90 % aller Handlungen, die Menschen begehen, nur dazu dienen, der Langeweile zu entkommen. Sich seinem Selbst zu stellen, das ist ein besonders schweres Unterfangen. Im Buddhismus sollten wir nach unserer Erleuchtung streben und so wirkliche Freiheit und Unabhängigkeit erreichen. Wer von uns kann wirklich nichts tun, sicher für eine Stunde einfach sitzen, ohne nach dem Handy zu greifen, ohne die Fernbedienung zu suchen, ohne etwas essen oder trinken zu wollen, oder eine Zigarette oder irgendeine andere Ablenkung? Wer von euch, liebe Hörer, kann das auch? Hier gilt wie immer die Erkenntnis: Der Weg ist das Ziel.

Der Weg ist das Ziel!

Buddha zu diesem Thema einmal: Die Ruhe des Geistes entsteht nicht durch äußere Umstände, sondern durch die Fähigkeit, den eigenen Geist zu kontrollieren. In der Stille deines Geistes findest du wahren Frieden.

„Die Wurzel des Leidens ist die Unfähigkeit, im gegenwärtigen Moment zu bleiben.“

Thich Nhat Hanh – 

„Das wahre Glück ist innerer Frieden. Der Mensch, der sich seiner selbst bewusst ist, kann auch mit sich selbst im Reinen sein.“

Paramahansa Yogananda

„Um wahre Freiheit zu finden, musst du lernen, dich deiner inneren Dämonen zu stellen, anstatt vor ihnen zu fliehen.“

Pema Chödrön – 

„Die größte Waffe gegen Stress ist unsere Fähigkeit zu wählen, einen Gedanken über einen anderen zu setzen.“

William James

„Du kannst dem Leben nicht mehr Tage geben, aber jedem Tag mehr Leben.“

Jack Kornfield – 

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