Freitag, Juni 21, 2024
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Zeit 2

Haben Sie schon den ersten Teil meines Beitrags „Zeit“ gelesen?

Durch den (Teil-)Umzug nach DengFeng kam ich wieder etwas mit der Zivilisation in Kontakt, eine lange Zeit war vergangen, in der ich nur nach den Ereignissen im Tempel lebte, Aufstehen, Waschen, Andacht, Frühstück, Training, Mittag, Training, Waschen, Essen, Schlafen.

Plötzlich fielen mir all die schicken Sachen wieder ein, die schon vergessen schienen; Alkohol und Partys, Frauen und Reisen, Geld und Luxus waren erneut in meinem Leben angekommen. Diese Angewohnheiten wird man nicht so einfach los.

Eine richtige Dusche zu haben war ein unbeschreiblicher Luxus, auch wenn das Wasser nicht immer warm war, ein richtiges Bett war unglaublich, aber das wirklich Besondere waren die Fenster, in denen sich Glas befand und nicht Papier. Als Mitteleuropäer kann man sich gar nicht vorstellen, wie so etwas sein könnte, so ein einfaches Leben. Aber ich war voll drin, nun aber mit etwas Annehmlichkeiten.

Das Training war im Tempel, manchmal schliefen mein Meister und ich dort, manchmal fuhren wir mit irgend jemandem mit und nächtigten in der kleinen Stadt, ganz so wie es eben passte.

Endlich konnte ich die Kleider auch mit warmem Wasser waschen, ein riesiger Unterschied, übrigens deutlich am Geruch zu unterscheiden. Das einfache Leben hat ganz gravierende Nachteile, „man“ fängt an zu riechen, egal was „man“ dagegen auch immer versucht zu tun.

Aber was immer klarer wurde, ich wollte (auch) wieder nach Europa, mir wurde immer bewußter, dass ich hier nicht mein ganzes Dasein verbringen wollte. Meine Eltern fragten bei den wöchentlichen Telefonaten immer deutlicher, wann ich denn gedenke wieder nach Hause zu kommen. Und die gewöhnlichsten Dinge fingen mir an zu fehlen, besonders deutsches Brot suchte mich sogar in den Träumen auf.

Vorsichtig fing ich an meinen neuen Freund (und Meister) auf den kommenden Abschied vorzubereiten, immer öfter kam das Gespräch „auf meine Zeit in Deutschland“, ob ich denn auch dort brav trainieren würde fragte Yan Zi mich. Mir war auch schon zu dieser Zeit klar, dass ich in Europa unter keinen Umständen acht Stunden am Tag trainieren würde, die Möglichkeit gab es hier gar nicht. Aber ich versprach meinem Meister so oft wie möglich zu üben. Schon damals wußte ich tief in mir drin, dass ich das nicht machen würde. Aber trainieren, das wollte ich auch weiterhin. In welcher Form, das würden wir noch sehen.

Der Abschied stand vor der Tür, das war zu spüren, die Stimmung wurde mulmig. Wehmut machte sich breit, wir waren ein gutes Team, wir kamen erstklassig miteinander aus, wer weiß schon was die Zukunft bringen wird, ob wir uns wiedersehen dürfen. Heute führt mein Meister Shi Yan Zi den Shaolin Tempel London, aber damals war uns nicht klar, ob wir uns jemals wiedersehen würden. Das Titelbild dieses Beitrags ist das Abschiedsbild mit meinem Meister und einem Freund vor dem Tempel, mein Meister bekam meine Sonnenbrille, ein Andenken an die gemeinsame Zeit.

Die Vorbereitungen zu meiner Abreise wurden getroffen, wir informierten den Großmeister Shi Yong Xin (heute der Abt des Tempels), der Tag rückte näher. Vor ich mich versah war ich in einem Taxi, dann am Weg nach Peking. Dort buchte ich mich in einem amerikanischen Luxushotel am Flughafen ein und setzte mich ins Restaurant, wo ich für über zweihundert Dollar mir den Bauch vollschlug. Nie in meinem Leben habe ich nochmals so viel gegessen, ich hatte solchen Hunger.

Von dort aus bekam ich einen Anschluß nach Deutschland, wo mich meine Familie am Flughafen abholte. Ich kam mir vor wie in einem falschen Film, das Erlebte war surreal.

Der Weg war und ist mein Ziel!

Finde einen Kreislauf, den ich auf meinen langen Reisen noch nicht durchschritten hätte

Buddha – Ehrenname des Siddharta Gautama – 560 bis 480 vor dem Jahr Null

Jeder Abschied ist ein kleiner Tod, aber jeder Tod ein großer Abschied

Alphonse Allais –  Französischer Humorist und Schriftsteller – 1855 bis 1905

Sei jedem Abschied voraus

Rainer Maria Rilke (eigentlich René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke) – Österreichischer Erzähler und Lyriker – 1875 bis 1926

Kein Abschied soll in diesem glücklichen Erdstrich gehört werden als einst der Abschied zur Reise in ein noch schöneres Land

Henriette Frölich (geboren als Dorothea Friederica Henrietta Rauthe, Pseudonym: Jerta) – Deutsche Schriftstellerin – 1768 bis 1833

Die Rückkehr lässt dich den Abschied lieben

Alfred de Musset – Französischer Dichter, Novellist und Dramatiker, Verfasser nihilistischer und frivoler Werke – 1810 bis 1857

Den Abschied muß man nehmen, nicht erdulden

Netzfund – 

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