Ein Mönch als Schwiegersohn

Ein Mönch als Schwiegersohn

In einem chinesischen Tempel war vor langer Zeit Audienz. Ein verzweifelter Mann kam zu einem Meister, um ihm sein Leid zu klagen.

„Bitte, Meister, könnt ihr meine Beerdigung vorbereiten“?

Der Mönch fragte besorgt:  „Warum, seid ihr krank, kann ich euch helfen“?

„Nein, guter Meister, ich muss mir heute Nacht das Leben nehmen, ich habe Schulden, kann diese nicht bezahlen, meine Situation ist einfach aussichtslos“.

„Wieso kannst du die Schulden nicht bezahlen, was ist nur passiert“, fragte der Mönch voller Sorgen.

Der Mann entgegnete: „mein Geschäft lief schlecht, ich musste mir Geld leihen, jetzt läuft die Frist ab, man wird mir morgen das Haus pfänden, meine Familie wird alles verlieren, jetzt kann ich nichts mehr tun“.

Da fragte der Mönch: „soll ich dir helfen„?

„Ja, Meister, würdet ihr mir helfen, aber wie wollt ihr das nur machen“?

„Du hast doch eine Tochter, oder“? „Ja, ich habe eine wunderschöne Tochter, viele Männer wollten sie heiraten, aber kein Mann war ihr gut genug, und nun ist es auch zu spät um einen vermögenden Ehemann für sie zu finden“, entgegnete der Kaufmann dem Mönch.

Der Meister verfiel in Schweigen, dann sprach er: „gut, dann werde ich sie zur Frau nehmen, mein Tempel ist reich, wir können dann deine Schulden bezahlen“.

„Aber Meister, als Mönch dürft ihr doch nicht heiraten, das geht doch nicht“.

„Lass das meine Sorge sein, geh und verkünde die Hochzeit, ich habe einen Plan, versprich mir, dass du mir deine Tochter zur Frau gibst“.

Verwundert willigte der Kaufmann ein.

Gesagt, getan, der Mann ging zurück in seine kleine Stadt. Jedem, den er traf, erzählte er von der bevorstehenden Hochzeit des Mönches mit seiner Tochter, er verteilte Einladungen an jedem Haus. Überall waren die Menschen verwundert, keiner wollte die Geschichte glauben, wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht über den allseits beliebten Mönch und die schöne Tochter.

Am nächsten Morgen war der Hof vor dem Haus des Kaufmanns voller Menschen, keiner wollte sich das Schauspiel entgehen lassen, regelrechte Massen standen vor dem Anwesen.

In aller Ruhe erschien der weise Meister vor dem Gebäude, ein Raunen ging durch die Menge. Er wies seinen „Schwiegervater“ an, einen großen Tisch aufzustellen und darauf Papier und Farbe auszulegen.

Dann nahm er seinen Pinsel aus seiner Mönchstasche und fing an, die bis heute in China so beliebten Kalligrafie herzustellen, die Masse drängte sich schnell um den Tisch. Er war als Meister sehr bekannt, seit frühester Jugend übte er sich in dieser Kunst.

Sofort machten ihm die Besucher gute Angebote für die schönen Werke, der Mönch verlangte sogar ganz unverschämte Preise, aber die Menschen wollten die erhabenen Schriftzeichen trotzdem kaufen.

Nach einigen Stunden rief der Mönch den Kaufmann zu sich, er fragte ihn, ob das Geld nun ausreichen würde, um seine Schulden zu bezahlen. Der Mann antwortete ihm, dass es sogar mehr Geld wäre als er schuldig sei, er fing an den Plan des Meisters zu verstehen.

„Nun“, antwortete der Mönch, „dann entbinde ich dich jetzt von deinem Versprechen, mir deine Tochter zur Frau zu geben, ich werde nun zurück in den Tempel gehen, erkläre du der Menge die Angelegenheit, sie werden dir nicht böse sein“.

Er drehte sich um und ging in den Tempel zurück, die Menge hatte an diesem Tag wieder etwas gelernt.

Haben Sie bei der Lektüre dieser Geschichte auch etwas gelernt?

 

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Alle 30 Jahre kippt die Sprache vollständig um. Die Kommunikation zwischen den Generationen wird dann unmöglich

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