Mittwoch, Juli 24, 2024
spot_img
StartChan (Zen) BuddhismusOhne Berge gibt es auch keine Täler

Ohne Berge gibt es auch keine Täler

In einem Bericht habe ich über ein Museum der Fehlschläge gelesen. In Amerika im Bundesstaat Michigan gibt es das Mahnmal der gescheiterten Produkte. Auf den Bildern sieht es aus wie ein ganz normaler Supermarkt mit Lebensmitteln, Süßigkeiten und Getränken. Alles liegt in Regalen verstreut. Bei näherer Betrachtung sieht man, dass etwas nicht stimmen kann. Die Anordnung erscheint willkürlich, aber es ist kein Supermarkt; das ist ein Museum mit Produkten, die sich eben nicht verkauft haben, also Fehlschläge waren. So kommt es zum Spitznamen „Museum der misslungenen Produkte“. Dieser Ort ist ein Symbol des Heuschrecken-Kapitalismus. Alle diese Produkte erzählen keine schöne Geschichte. Kein Erfolg, sondern ganz einfach ein Fehlschlag. Dieses Produkt wollte keiner haben. Diesen Ort hat der Amerikaner Robert Mac Meth kreiert. In seiner Jugend begann er alle neuen Produkte, die auf den Markt kamen, zu kaufen, stellte sie in seine Regale, und langsam, aber sicher wuchs die ganze Angelegenheit zu einem Museum heran.

Mit der Zeit bemerkte er, dass die meisten neuen Produkte auf dem Markt scheitern; eine Misserfolgsquote von über 90 % dürfte nach ihm realistisch sein, aber nur er beschäftigt sich mit dem Scheitern. Heute kommen Manager aus der ganzen Welt, um zu sehen, warum Produkte scheitern und was man tun kann, um solch einem Schicksal nicht ausgeliefert zu sein. Besonders interessant an der Sache ist, dass das Museum hoch profitabel ist, während es um Produkte geht, die keinen Erfolg hatten. Das Scheitern steht in unserer Kultur nicht wirklich hoch im Kurs; wir alle versuchen zu vermeiden, über das Scheitern an sich überhaupt nachzudenken.

Niemand möchte auf seine Misserfolge angesprochen werden. Im hektischen Leben der Manifestation und des positiven Denkens ist der Platz für Misserfolge nicht da. Aber schon lehrt uns nun, dass Misserfolg genauso wie Erfolg zum Leben gehört, und genau das sagt Buddhas Lehre auch aus: Du sollst nicht werten, du sollst einfach nur akzeptieren, klar loslassen und annehmen, was da so in unserem Leben kommt und die Möglichkeit, mit etwas zu scheitern. Diese liegt etwa bei 50 %. Klappt meine Beziehung? Werde ich den Job bekommen? Das Scheitern wollen wir noch nicht in Betracht ziehen. Es gibt keine Akzeptanz der Möglichkeit des Scheiterns.

Wir gehen nur davon aus, dass alles klappt. 1000 Gurus erklären uns, wie wir manifestieren müssen, damit auch alles eitel Wonne und Sonnenschein wird. Wenn wir ehrlich zu uns selbst wären, würden wir zugeben, dass das Scheitern ein großer Teil unseres Lebens ist. Wie oft sind wir schon gescheitert, richtig auf die Nase gefallen, haben wir daraus gelernt? Ich behaupte jetzt einmal: nein. Deswegen berichte ich dir heute vom Museum der gescheiterten Produkte. Das Scheitern ist ein Teil der Evolution. Trial and Error. Versuch macht klug. Was haben unsere Vorfahren nicht schon alles versucht? Wie oft sind sie gescheitert, und trotzdem finden wir die Vorstellung zu scheitern einfach schrecklich und verdrängen sie komplett aus unserem Bewusstsein, das positive Denken. Bringt uns das weiter oder verändert es unser Leben negativ? Wäre es nicht besser, das Scheitern als Möglichkeit wenigstens hinzunehmen?

Ich behaupte, wenn du glücklich sein willst, musst du die Möglichkeit von Unglück akzeptieren, denn am Ende des Tages werden wir alle scheitern. Der Tag kommt, an dem wir sterben werden und alles verlieren werden. Selbst dieser Planet wird explodieren oder implodieren. Nichts wird bleiben. Alles ist vergänglich. Also ist das Scheitern bei uns schon vorprogrammiert, aber wir wollen es einfach nicht akzeptieren. Schon Buddha riet dazu, das Scheitern als Möglichkeit zu akzeptieren. Auch schlechte Gefühle und die Ungewissheit, ob alles klappt, zu akzeptieren. Ein gelassenes Akzeptieren auch der negativen Konsequenzen der Möglichkeit des Scheiterns – ja, Übel können passieren, aber wir zerbrechen nicht daran, wenn es uns passiert.

Deshalb rate ich dir, lieber Hörer, die bewusste Auseinandersetzung mit dem schnellstmöglichen Szenario, das passieren kann, auch nicht zu vermeiden, sondern in deine Überlegungen mit einzubauen. Was kann gut passieren? Was kann ganz schlecht passieren? Im Businessplan eines Unternehmens ist das Best-Case- und das Worst-Case-Szenario normal. Aber von uns selbst in unserem Privatleben erwarten wir gerne nur Sonnenschein. Diese tausenden und zehntausenden von Produkten, die hier in diesem Supermarkt der gescheiterten Produkte ausgestellt sind, hatten auch Menschen, die sie entworfen haben. Diese waren ursprünglich von diesen Produkten überzeugt, sonst hätten sie sie nicht entworfen und auch nicht auf den Markt gebracht. Aber sie sind gescheitert. Einen derartigen Misserfolg hatten sie wahrscheinlich bei der Planung seiner Zeit nicht am Kopf.

Wir Menschen haben eine richtige Abneigung gegen das Scheitern, aber das Scheitern ist es, was uns stark macht. Wer immer wieder scheitert und trotzdem weiterprobiert, hat einen regen Verstand und ist mutig. Wenn wir uns das schlimmstmögliche Szenario vorstellen, ist es meiner Meinung nach besser als jede positive Affirmation. Denn so lernen wir zuversichtlich, erfolgsorientiert und bestimmt zu arbeiten. Und das gilt auch im Privatleben: Wer seinen Verlust oder sein Scheitern visualisiert, kann damit die positive Affirmation ausgleichen. So kommen wir einem Weg näher, den Buddha uns immer wieder nahelegt: Wir sollen loslassen, Wünsche und Willen wegnehmen, auch nicht werden, sondern einfach so nehmen, wie es kommt, und akzeptieren, was passiert. So kommen wir zu der Fähigkeit, das Scheitern und Misserfolge auch zu akzeptieren. Ich rate dir auch, über Misserfolge nachzudenken und sie gegebenenfalls schon im Voraus zu analysieren.

Warum könnte mein Projekt zu einem Misserfolg werden? Warum könnte meine Beziehung scheitern, und worauf könnte Erfolg basieren? Was sind die Faktoren, die mich hier zum Weitermachen bewegen? Bin ich bereit, trotz Rückschlägen weiterzumachen, oder möchte ich hier an dieser Stelle aufgeben? Wie ist mein Weg? Was ist mein Ziel? Wer mit Verlust und Misserfolg umgehen kann, der ist der Erleuchtung schon ein großes Stück nähergekommen. In den Hochglanzmagazinen sehen wir nur die Erfolgreichen, die besten Schauspieler, die größten Unternehmer, das dickste Auto und das schönste Kleid. Aber was ist mit all denen, die nicht auf diesem Podium stehen? Mit all denen, die bei der Olympiade eben nicht aufs Treppchen kamen, weil sie etwa eine Woche vor der Olympiade ganz schwer erkrankt sind oder sich das Bein gebrochen haben.

Eigentlich würdest du jetzt der Sieger sein. Eigentlich wäre es deine Olympiade, aber durch ein kleines Missgeschick bist du gescheitert. Ein anderer steht auf dem Podium. Ein anderer bekommt die Goldmedaille umgehängt, und du bist gescheitert. Das Leben hat in einem Streich gespielt. Ohne Berge gibt es eben auch keine Täler. Wenn wieder Gedanken in dir aufkommen, ob dein Projekt klappen könnte oder nicht, denke einfach an das Museum der gescheiterten Produkte.

90 % aller Produkte, die auf dem Markt eingeführt werden, scheitern, und jetzt hast du eine neue Idee. Willst du sie durchsetzen, stecke deine Energie in die Sache. Du bist bereit, Risiken einzugehen, aber das Scheitern ist ein Teil der ganzen Angelegenheit. Das solltest du dir bewusst sein. Wenn du also wieder einen Experten im Fernsehen siehst, der genau weiß, wie die Zukunft sein wird, denke immer an dieses Museum vor deinen Augen. 90 % aller Dinge sind gescheitert. Wer das in Kauf nehmen kann, der ist wirklich der Erleuchtung nahegekommen.

Buddha sagte zu diesem Thema einmal: „Unsere größten Fehler können unsere besten Lehrer sein.“

„Du wirst viele Male im Leben scheitern, aber erst, wenn du aufhörst, dich zu erheben und es erneut zu versuchen, wirst du wirklich gescheitert sein.“

Anonym

„Scheitern ist nicht das Ende, sondern oft der Anfang von etwas Besserem.“

Unbekannt

„Es gibt keinen Erfolg ohne Misserfolg. Scheitern ist der Grundstein für den Triumph.“

John C. Maxwell

„Der Weg zum Erfolg ist gepflastert mit den Steinen des Scheiterns, aber nur diejenigen, die sie als Stufen benutzen, erreichen die Spitze.“

Unbekannt

„Scheitern ist eine Gelegenheit, von Neuem zu beginnen, diesmal intelligenter.“

Henry Ford

Meine Publikationen: 1.) AppBuddha-Blog“ in den Stores von Apple und Android, 2.) Die WebseiteShaolin-Rainer„, auch als App erhältlich, Apple und Android. 3.) App „SleepwithSounds“ bei Apple und Android. 4.) Buddha Blog Podcast (wöchentlich) 5.) Buddhismus im Alltag Podcast (täglich) 6.) Facebook (@BuddhaBlogApp) 7.) Telegram Kanal: https://t.me/buddhablog  

Hat Dir der Beitrag gefallen? Danke, dass Du Buddha-Blog liest. Ist Dir aufgefallen, dass hier keine externe Werbung läuft, dass Du nicht mit Konsumbotschaften überhäuft wirst? Möchten Du dem Autor dieses Blogs für seine Arbeit mit einer Spende danken? Der Betrieb dieser App (und der zugrunde liegenden Webseite https://shaolin-rainer.de) erfordert bis zu € 3000 im Monat. Unterstütze mich, beteiligen Dich an den umfangreichen Kosten dieser Publikation. Deine Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir für den Buddhismus leisten (ich und mein Team), auch weiterzuführen. Via PayPal (hier klicken) oder per Überweisung: Kontoinhaber: Rainer Deyhle, Postbank, IBAN: DE57700100800545011805, BIC: PBNKDEFF 1000 Dank!

 

Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
VERWANDTE ARTIKEL

Am beliebtesten

Meditation