Freitag, Mai 20, 2022
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Weisheit im Windhauch

Aus einem buddhistischen Tempel wurde folgende Geschichte berichtet:

Ein betagter Meister sah eine Gruppe von Touristen den Berg hinauf laufen, der Tempel lag hoch in den Bergen, die Aussicht war zauberhaft, es war ein schöner Frühlingstag.

Der Mönch sah dem bunten Treiben zu, ganze Familien schnauften immer höher hinauf, machten Rast, einige hielten Picknick in der Sonne, der Mönch hörte ihnen zu, er wollte wissen, was die Menschen bewegt, was sie sprechen, was sie denken. Da hörte er wie der eine Mann zum anderen sagte, er habe gehört dass man sich dort niederlassen sollte, wo die Schreibmönche ihre Sutren (Lehrtexte des Buddhismus) zum Trocknen auslegen würden, die Weisheit der Schriften dann durch den Wind auf die Anwesenden verteilt würde, ausserdem sei der Wind heilsam, die schlechten Gedanken würden weichen, dies sei im Übrigen auch allseits bekannt.

Dem betagten Meister war die Geschichte allerdings völlig neu, er mußte innerlich schmunzeln, es viel ihm auf, was für eine seltsame Vorstellung von den Lehren des Buddha die Menschen doch hatten. Er beschloß, die Touristen zum Nachdenken zu bringen. Nach kurzer Zeit legte er sich ins Gras, zog seine Kutte oben herum hinunter, so dass er ab dem Gürtel aufwärts nackt war. Die Sonne wärmte ihn, er erfreute sich am schönen Frühlingstag.

Sofort fingen die Touristen an über ihn zu reden, er hörte ihre Stimmen bis herüber, ob sich denn so ein Verhalten für einen Mönch gehören würde, so fragte die eine Frau, der andere Mann war ob des Benehmens des Meisters so verwundert, dass er sich lautstark ereiferte.

Andere Mönche kamen des Weges, sie sprachen auf den Meister ein, ein solches Verhalten kannten sie nicht, normalerweise sind Mönche immer bekleidet, nur unter sich manchmal entblößt, aber nie gegenüber Dritten. Einer Respektsperson wie ihm würde ein solches Verhalten nicht stehen, der Anstand müsse gewahrt werden, er solle sich benehmen, so schnatterten alle Anwesenden auf den alten Mann ein.

Der aber ließ sich nicht beirren, drehte sich immer wieder weg, schien noch nicht einmal etwas mitzubekommen.

Als es ihm zu blöde wurde drehte er sich zum Haufen hin und sprach: Hier geht die Geschichte, dass es gar Glück bringen würde vom Wind berührt zu werden, der vorher über die Sutren blies. Aber hier ist nur Tinte auf Papier, tote Materie, die im Wind trocknen, nichts davon hat eine Qualität, die auf den Wind abfärben könnte.

Hier dagegen sitze ich, ein echter, lebender Mönch, voller Weisheit und voll von Mitgefühl, ich lebe die Lehre des großen Lehrers inmitten meiner Brüder, aber ihr hockt euch lieber in den Wind, der von totem Papier herüberweht, als dass ihr mich etwas fragen würdet. Um euch eure sinnlosen Taten zu zeigen habe ich mich frei gemacht, ich wollte euch zum Denken anregen. Ich hoffe, dass ihr nun nicht mehr nach den Dingen strebt, die dem Verfall unterworfen sind.

Nun, der Weg ist auch hier das Ziel!    

 

Wie eine Flamme ausgeht vom Winde, verweht ist und Begriffe nicht mehr passen, so ist der von „Geist und Leib“ befreite Weise: Er ist nicht mehr begrifflich zu erfassen

Buddha – Ehrenname des Siddharta Gautama – 560 bis 480 vor dem Jahr Null    

Der Meister riet den Anwesenden, vor dem Studium buddhistischer Texte und endlosem Rezitieren der Sutras sollte ein Zen-Schüler die Liebesbriefe lesen lernen, die Schnee, Wind und Regen ihm schicken

Aus dem Chan-(Zen)-Buddhismus – 

Sieh einfach, daß Buddhismus nicht in der Welt zu finden ist, doch schließe daraus nicht, daß am Buddhismus nichts Weltliches ist.

Dōgen Zenji (auch Kigen oder nach dem von ihm gegründeten Tempel Eihei-ji) – Japanischer Chan-(Zen)-Meister, Begründer der Soto-Schule des japanischen Zen-Buddhismus – 1200 bis 1253 

Alles, was im Christentum Wahres ist, findet sich auch im Brahmanismus und Buddhismus

Arthur Schopenhauer – Deutscher Philosoph – 1788 bis 1860

Was ist die höchste Lehre im Buddhismus? Die verstehst du erst, wenn du sie erreicht hast

Shi-T’ou – Japanischer Zen-Meister – 700 bis 790

Die Praxis des Christentums ist keine Phantasterei, so wenig die Praxis des Buddhismus sie ist: sie ist ein Mittel, glücklich zu sein…

Friedrich Nietzsche – Deutscher Philosoph, Essayist, Lyriker und Schriftsteller – 1844 bis 1900

 

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