Chan (Zen) Buddhismus im Alltag

Die Henkersmahlzeit

Für Ihre Henkersmahlzeit, was würden Sie wählen?

Können Sie sich für einen kurzen Moment vorstellen, dass Ihre Hinrichtung bevorsteht? Zugegebenermaßen kein schöner Gedanke, aber es ist ja nur eine Vorstellung.

Was würden Sie sich als Ihr letztes Mahl wünschen?

Und wie würden Sie dieses Essen „zelebrieren“?

Niemand denkt gerne an das Sterben. Seit Beginn aller Religionen und Kulte wurden um den Tod Legenden aufgebaut, Völker wie die alten Ägypter stellten das Leben in den Schatten der Wiedergeburt.

Jedes Essen, das wir zu uns nehmen, könnte unser Henkersmahl sein, da wir jederzeit sterben können.

Jede Handlung, die wir begehen, könnte unsere letzte sein.

Jeder Kuss, den wir geben, könnte der letzte Liebesbeweis sein.

Jedes Wort, das wir sprechen, könnte unser letztes sein.

Wenn wir uns diese Tatsache vergegenwärtigen, dann verstehen wir, wie wichtig das Leben im „Jetzt“ und im „Heute“ ist.

Nachdem wir alle Umstände um unser Ich und um die Vergänglichkeit allen Seins wissen, warum handeln wir dann nicht entsprechend?

Ich versuche mir anzugewöhnen, dass eben nicht alles „selbstverständlich“ ist, nicht alles so laufen wird, wie ich es mir wünsche, in der logischen Folge ich mit dem, was ich gerade jetzt habe, in diesem Augenblick tue, zufrieden sein MUSS, auch gar keine andere Wahl habe.

Aus dem Wissen um alle Zusammenhänge kann denjenigen unter uns, die „zu sich selbst finden“, eine unglaubliche Zuversicht erwachsen. Da wir sowieso nichts ändern können an unserem Schicksal, warum also nicht den jetzigen Moment geniessen, jede Handlung so begehen, als wenn sie die letzte Aktion auf dieser Welt WÄRE.

Wenn Sie wieder einmal ins Grübeln verfallen, vielleicht unzufrieden mit der Situation sind, oder einfach einen schlechten Tag haben, dann stellen Sie sich vor, dass das auch der letzte Tag in Ihrem Leben SEIN KÖNNTE. Wollen Sie mit solchen Gefühlen abtreten? Oder vielleicht doch besser den Frieden mit sich und Ihrer Rolle als Mensch auf diesem Planten machen? Überlegen Sie es sich, was hätten Sie zu verlieren?

Wählen Sie jede Mahlzeit so, als wenn es Ihre letzte wäre!

Begehen Sie jede Handlung so, als wenn es Ihre letzte wäre!

 

Henker treten meist in Masken der Gerechtigkeit auf

Stanisław Jerzy Lec – Polnischer Aphoristiker – 1909 – 1966

Du sollst nicht töten sprach der Denker, nicht nur zum Mörder, auch zum Henker

Arnold Zweig – Deutscher Schriftsteller – 1887 bis 1968

Ich habe ins Blaue geschossen und ins Schwarze getroffen

Friedrich Dürrenmatt – Schweizer Schriftsteller, Dramatiker und Maler – 1921 bis 1990

Mein Herr, ich bitte Sie um Verzeihung, ich tat es nicht mit Absicht

Marie Antoinette – Erzherzogin von Österreich, letzte Worte zu ihrem Henker, dem sie auf den Fuß getreten war – 1755 bis 1793

Verschiedenheit der Religionen: ein wunderlicher Ausdruck! Gerade, als ob man von verschiedenen Moralen spräche

Immanuel Kant – Deutscher Philosoph – 1724 bis 1804

 

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